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Mittwoch, 6. August 2008

Philips Pick Me!!!

Momentan läuft hier ja der Tri Nations Cup auf Hochtouren. Vom Hype und dem öffentlichen Interesse her ist die ganze Veranstaltung fast vergleichbar mit der vor ein paar Wochen beendeten Fußball-EM. Jeder hier in Auckland redet darüber und im TV laufen haufenweise Werbespots mit den All Blacks. Drei Nationen - Australien, Südafrika und Neuseeland - treten im Rugby gegeneinander an. Pro möglicher Gegnerkonstellation werden drei Spiele ausgetragen (zwei Heimspiele gegen einen Gegner, ein Heimspiel gegen den anderen Gegner), also insgesamt neun Spiele im ganzen Turnier. Mehr vorzeigbare Rugby-Nationalmannschaften gibt es auf der südlichen Halbkugel wohl nicht. Es gab Anfang dieses Jahres Bemühungen, diesen Kreis um Argentinien zu erweitern, daraus ist aber nichts geworden.
Nachdem ich letztens schon gezwungen wurde, mir zusammen mit meinen Flatmates ein Spiel der All Blacks in der Glotze anzuschauen, gab es letzten Samstag die Gelegenheit, die landesweit geschätzten Rasenrowdies live hier in Auckland zu bestaunen. Denn auf die Minute genau um 19:35 war im Eden Park Stadion Anstoß zum zweiten Spiel der New Zealand All Blacks gegen die Austalian Wallabies.
(Nebenbei: Warum hat die deutsche Nationalmannschaft eigentlich keinen so coolen Namen? So im Stil von "The Fighting Mongooses"? "Deutsche Nationalmannschaft" hört sich doch irgendwie lahm an, oder? ... lahm, get it?) xD

Wir hatten Plätze in der zweiten Reihe direkt hinterm Tor (also im Grunde in der Fan-Kurve... wir hatten allerlei lustig bemalte Leute um uns herum sitzen) und damit beste Sicht auf die meisten "Trys". Kurz vor Anstoß gab es noch eine kleine Choreografie in den Farben der Teams, aber die Meta-Botschaft blieb einem wie so oft verborgen. Egal, denn kurz darauf liefen schon die Teams auf und die Kiwis führten ihren Haka auf, diesmal sogar den "Kapa o Pango", der 2005 gegen Südafrika zum ersten mal gezeigt wurde und besonderen Anlässen vorbehalten ist. Besonders umstritten ist die "Kehle durchschneiden" Szene am Ende.
Das erste Spiel vor einer Woche hatten die All Blacks überraschenderweise deutlich verloren, also war die Stimmung im Stadion etwas gespannt. Zur Besserung der Lage trug nicht unbedingt bei, dass die Australier den ersten Try machten. Kleine Randnotiz: Den Tri Nations Cup gibt es seit 1996 und es ist Australien in der Zeit noch nie gelungen, ihn zu gewinnen. Südafrika schaffte es auch nur zwei mal, denn bisher ging die Trophäe zehn mal an die Neuseeländer. Entsprechend war die Erwartungshaltung der Fans.

Danach rafften sich die All Blacks aber schnell auf und waren nach 40 Minuten zur Halbzeit wieder in Führung. Nach einem erfolgreichen Conversion-Kick landete der Rugby sogar einmal direkt bei uns in der Reihe und der glückliche Fänger (Typ überengagierter Familienvater) zwang seine Kinder regelrecht dazu, den Spielball anzufassen, als wäre der heilige Gral vom Himmel gefallen. Besonders der kleinere von beiden sah aber eher aus, als wäre er heilfroh, von dem Reliquiengeschoss nicht direkt an einen besseren Ort gepfeffert worden zu sein. Naa, das war jetzt übertrieben, aber die Knirpse waren schon aufgeregt. ;)

Auch in der Halbzeit mussten die Fans bei Laune gehalten werden, also brachte Philips schnell zwei fette Flachbildfernseher unters Volk. Dazu rannte ein eindeutig gedopter Moderator mit Mikro an der Fankurve entlang und pickte ganz zufällig einen von Tausenden Fans heraus, die ganz lemmingartig-brav ein "Philips Pick Me!" Schild in die Höhe hielten. Ein paar Minuten später waren die Geräte u.a. an einen Mann vergeben worden, der unfairerweise seine kleine Tochter auf die Schultern genommen hatte, um den Niedlichkeitsbonus auszuspielen. Den anderen stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.

Die zweite Halbzeit schien nur noch Formsache zu sein und die All Blacks gewannen klar mit 39:10.




Samstag, 12. Juli 2008

Pie mit Ei

Der heute eigentlich geplante Blogeintrag muss leider entfallen.
Denn: Gerade als ich mich gemütlich mit dem Laptop ins Sofa flätzen wollte, um endlich einmal die ersten Texte zu meinem Roadtrip zusammenzutippseln, wurde ich geradezu gezwungen, vor dem Fernseher Platz zu nehmen... glücklicherweise auch in einem Sofa. Bis zu diesem Zeitpunkt also für mich bis auf den im Zimmer gebliebenen Laptop noch kein Verlust. Ich konnte die Aufregung unserer Flatmates Ian und Sheree praktisch in Ihren Augen ablesen, hatte aber nicht den blassesten Schimmer, worum es eigentlich ging und warum ich auf einem anderen Sofa saß als sonst. Ohne mich aufzuklären, war die Diskussion zwischen den beiden aber schon zum Thema "Wo ist die Fernbedienung?" bzw. "Wo ist die RICHTIGE Fernbedienung?" übergegangen und ich nutzte die kurze Unaufmerksamkeit, um mich in der Küche mit zwei der gerade fertig gewordenen meat pies einzudecken. Auf dem Rückweg wurde ich aber schon wieder abgefangen und vor der Glotze fixiert. Auf dem Schirm liefen eine Menge muskulöser Männer in zwei unterschiedlichen Trikotfarben auf einer Rasenfläche herum. Fußball? Nee! Dafür waren die Leute eindeutig zu bullig ausgestattet und liefen einfach zu viel mit dem Ball in der Hand rum. Andererseits lagen sie auch verdammt viel auf dem Boden rum. Ich fragte mich, ob Portugal heute ein Spiel haben könnte.
Ich holte meine Brille und da wurde die Situation klarer: Heute spielten die New Zealand All Blacks gegen South Africa. Rugby also. Den Haka hatte ich dank meat pie (hmmm, meat pie!) schon verpasst, da bekam ich von Sheree auch schon innerhalb von dreieinhalb Minuten einen Crash-Kurs in Sachen Rugby-Regelwerk: 15 Leute pro Team, der Ball bzw. der Rugby darf in jede Richtung geschossen werden, aber nur nach hinten geworfen, Punkte gibts für einen erfolgreichen "Try", der durch eine "Conversion" aufgewertet werden kann, aber nicht muss, außerdem gibt es die Möglichkeit, durch einen "Dropkick" oder einen "Penalty Kick" zu punkten, die sich darin unterscheiden, ob das Tor aus dem Spiel heraus oder nach einem Foul getroffen wurde. Alles klar.
Für einen meat pie essenden Laien wie mich sah das ganze dann aus wie 30 mehr als ausgewachsene Männer, die sich beim Versuch, einen Ball in Form eines Rotationsellipsoids von A nach B zu transportieren nicht auf Rechts- oder Linksverkehr einigen konnten und daraufhin eine Auseinandersetzung vom Zaun brachen, die in den meisten Fällen in einem gigantischen Körperhaufen endete, der sich direkt auf dem Rotationsellipsoids befand, welcher damit seinem eigentlichen Ziel - nämlich dem Tor des entsprechend gegnerischen Gegners, also B (je nach Ausgangslage) - nicht wirklich näher gekommen war. Ich versuchte, ehrliches Mitfiebern mit der richtigen Hälfte des Menschenhaufens auf dem Bildschirm zu signalisieren. Das ist verdammt schwierig, wenn man gleichzeitig versucht, einen noch ziemlich heißen meat pie zu verspeisen. Es hätte auch ohne vollen Mund wohl nicht wirklich überzeugend gewirkt, denn Ian und Sheree entschuldigten sich geradezu nach jedem Gefühlsausbruch in Folge einer Wendung im Spiel, die ich dann wohl verpasst hatte.
Das lief dann ungefähr so ab:

Ian: "ARGH!! Damn referee, what was this for?"
Ich: *mampf*
Ian: "Oups, sorry!" *grinst*


Oder:

Sheree: "Run! RUN! RUUUUUUUUUN!"
Ich: *Bahnhof*
Sheree: "Hehe, sorry 'bout that." *setzt sich wieder und sucht die Einzelteile der Fernbedienungen zusammen*


Naja, ich fasse das Ergebnis zusammen: Zwei meat pies niedergestreckt, Neuseeland hat 28:30 verloren (meiner fachkundigen Meinung nach völlig unverdient! ^^) und der ursprünglich geplante Blogeintrag wurde auf morgen verschoben... wir bleiben am Ball... äh Ei... äh Rotationsellipsoid... Ihr wisst schon.