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Samstag, 3. Dezember 2011

Murmelbahn

20.05.2009: Von Dunedin bis Christchurch


Das Otago Museum in Dunedin beweist wieder einmal, wie viel Mühe die Neuseeländer doch der Präsentation ihrer Kultur, ihrer Vergangenheit sowie ihrer Archäologie widmen. Mit etwas mehr Geduld für geschichtliche Texte und ähnliches hätte ich problemlos mehrere Tage dort verbringen können. Doch auch so reichte gerade mal ein halber Tag dafür aus, mich an hunderten von Maori Relikten, ausgestopften Albatrossen und restaurierten Moa Knochen satt zu sehen.







Nach einem kurzen Bummel durch die doch recht überschaubare Einkaufsstraße Dunedins fuhr ich zur steilsten Straße der Welt. Satte 38% Steigung misst das Pflaster, so dass davon abgeraten wird, diese Straße mit Nicht-Allradgetriebenen Autos zu befahren. Ich gedachte kurz dem Postboten dieser Straße und machte dann meine Fotos.





Auf meinem Weg nach Christchurch durfte natürlich ein Stopp an der Boulders Bay nicht fehlen. Neben der Tatsache, dass es sich hier einmal wieder um einen wunderschönen Strand handelt, gibt es hier die Besonderheit, dass die abgetragenen Gesteinsschichten durch besondere Umstände über die Zeit zu riesigen Steinkugeln geformt wurden, die nun überall im Sand verstreut herumliegen. Sehr skurril, man kommt sich etwas vor wie auf einer gigantischen Murmelbahn.








Montag, 18. Mai 2009

Multiple Geschmacksorgasmen

Von Hawkes Lookout zum Farewell Spit

Nach einer preisgünstigen Übernachtung auf dem Rastplatz beim Hawkes Lookout auf dem Takaka Hill schnappte ich der Sonne erneut dem besten Platz am Frühstückstisch weg und konnte beobachten, wie aus den grauen, nächtlichen Silhouetten der Hügellandschaft so langsam der grüne Vegetationsteppich erkennbar wurde. Nelson erwachte auch gemächlich und unterstützte die sich Zeit lassende Sonne mit immer mehr Lichtern.




Der Takaka Hill zeichnet sich durch tiefe und vor allem gefährliche Sickerlöcher aus, die von dem Regenwasser erzeugt werden, das sich seinen Weg durch den Boden sucht.
Außerdem liegen in der Gegend überall ziemlich scharf geformte Felsen herum, für die die Maori die entsprechende Legende parat haben:

Der Ngararahuarua, eine schreckliche echsenhafte Kreatur, machte vor langer Zeit die Gegend um die Wainui Bay unsicher, indem es Männer zerfleischte und Frauen entführte. Eines Tages verschleppte es die - natürlich - wunderschöne Ruru, die allerdings zu clever für das Monstrum war und es mit einem Schlaftrank außer Gefecht setzte und entfloh. Die Bewohner von Whakatu halfen Ruru danach, Ngararahuarua in ihr Dorf zu locken, wo sie ihm eine Falle gestellt hatten und es in Brand steckten. In Panik versuchte Ngararahuarua, sich seinen Weg auf der Falle zu buddeln, wurde allerdings von den Flammen verzehrt. Seine Überreste verteilten sich über den Takaka Hill und wurden zu Stein.



Umgeben von den Überresten des legendären Echsenmonsters fuhr ich den Takaka Hill weiter hinauf und bog in eine Schotterpiste ab, die mich zum Harwood's Hole brachte, der Höhle mit dem größten Eingang der Südhalbkugel. Der Weg dorthin war voller schlaftrunkener Schafe, die etwas Mühe hatten, über das mit Raureif benetzte Gras davon zu laufen, als ich mit dem Auto ankam. Auf dem Parkplatz traf ich zwei Deutsche, die mir auf dem kurzen Fußweg durch den Wald zur Höhle Gesellschaft leisteten. Der Wald um Harwood's Hole ist übrigens einer der Drehorte des zweiten - glaube ich - Teils der Herr der Ringe Trilogie, in dem die sprechenden und laufenden Bäume vorkommen. Das Gehölz dort war über und über mit Moos bedeckt, so dass es uns nicht schwer fiel, das wenige Herr der Ringe Feeling aufzunehmen, was dort verhaftet war.





Harwood's Hole an sich ist ein über und über gigantisches Loch im Boden. 70 Meter breit und 400 Meter tief. Ohne Absperrung standen wir auf einmal direkt am Rand und trauten uns kaum, hinein zu schauen, da hier der kleinste Ausrutscher tödlich enden könnte. Auf einem halbwegs sicheren Steinvorsprung machten wir kurz Pause und ließen diese unzugängliche Gegend auf uns wirken.





Nächstes Ziel waren die Te Waikoropupu Springs, Süßwasserquellen, die so sauber sind, dass man mehrere Meter auf den Grund des Teiches sehen kann, in dem sie entspringen. Nach einem kurzen faszinierten Blick lief ich über den Steg zurück zum Auto und weiter gings.



Mein weiterer Weg führte mich an die Küste der Golden Bay ganz im Norden der Südinsel, wo ich in Collingwood anhielt, um Schokolade zu kaufen. Nicht irgendwelche Schokolade, sondern hausgemachte Pralinen mit so verboten dicken Schokowänden, dass man nicht von ihnen abbeißen kann, sondern sie sich ganz in den Mund stopfen muss, was nicht nur dämlich aussieht, sondern mit sofortiger Wirkung zu einem multiplen Geschmacksorgasmus führt. Wäre ich Raucher, hätte ich mir danach eine Schokozichte anstecken müssen. :P


Mit der untergehenden Sonne kam ich am nördlichsten Punkt der Südinsel an, dem Farewell Spit. Ich begab mich gleich in die im Vergleich zur Umgebung leicht wärmere Campingplatzküche. Dort zerhackte ein für Seemannsverhältnisse mittelmäßig angetrunkener Hobbyfischer seinen riesigen Fang, der soviel Filetfleisch hergab, dass er mir netterweise eine mehr als ausreichende Portion anbot, die ich mir gleich in die Pfanne warf. Nach dem weltbesten Pralinen gab es abends also noch den besten Fisch aller Zeiten. Geschmacksgenüsse bis zum Umfallen... Zeit, sich eine anzustecken. ^^


Donnerstag, 25. Dezember 2008

Trunkenheit am Meißel

Taupo

Nach der strapaziösen Wanderung am Vortag hatten ich mir ein wenig Entspannung verdient. Ich fuhr an Taupos Hafen und ließ mich von der Barbary auf den Lake Taupo segeln. Die Barbary ist ein Rennsegler von 1926, der angeblich irgendwann mal von Errol Flynn bei einem Kartenspiel gewonnen wurde und nun - über diverse Umwege - auf dem Lake Taupo Touristen zu den Maori Carvings schippert. Ich dachte eigentlich, dass diese in den Stein gemeißelten Muster einige hundert Jahre alt sind, wurde aber von unserem Skipper eines besseren belehrt: Erst 1980 kamen zwei professionell ausgebilete Steinhauer mit maori-Hintergrund auf die Idee, am Lake Taupo eine Art Andenken an ihre Vorfahren und die damit verbundene Kultur zu erschaffen. Mit Hilfe einiger Kollegen brauchten sie insgesamt zwei Jahre, um die Arbeit am Fels zu ihrer Zufriedenheit fertig zu stellen. Ein Grund dafür war nicht zuletzt, dass der Fels, an dem die Steinschnitzereien angebracht sind, nur vom Wasser aus zu erreichen ist. Erst versuchten sie, von einem Boot aus zu arbeiten, was sich aber schnell aus undurchführbar herausstellte. Dann brachten sie um den Felsen herum ein Gerüst an, von dem sie ohne das ständige Geschaukel des Wassers arbeiten konnten. Trotzdem mussten sie einmal eine gesamte Steinschicht abtragen, weil sie das Motiv so vermurkst hatten. Unserem Skipper zufolge war das hauptsächlich dem permanent angeheiterten Zustand der Steinmetze zuzuschreiben. Auch wenn das eine dreiste Behauptung sein könnte, war doch eindeutig zu erkennen, dass einige der Kringel an der Wand doch nicht so 100%ig symmetrisch waren. Naja, Hauptsache die Leute hatten Spaß bei der Arbeit, das Ergebnis war auch so beeindruckend genug.


Auf dem Rückweg in den Hafen von Taupo gabs noch heiße Schoki, Entenbesuch und weitere Stories über Lake Taupo, die Barbary und die Carvings zu hören. Zusammen mit der restlichen Crew - einem Briten und zwei Amerikanerinnen - genoss ich die Stimmung und entspannte mich bei leichtem Wellengeschunkel. So kamen Erinnerungen an meine Studienfahrt (lang ist's her *g*) nach Dänemark auf, nur dass die Crew damals etwas durchgeknallter war. Hach, schöne Zeit.^^

Wieder in Taupo, fuhr ich zu den Huka Falls. Zu meiner Überraschung war dies kein richtiger Wasserfall, sondern eher eine Verengung im Flussbett, durch die sich die Wassermassen durchquetschen und am Ende eher einen kleinen Hüpfer als einen Fall machen. Ich entnahm der Schautafel, dass dort pro Sekunde 160.000 Liter Wasser durchschießen, und lauschte beeindruckt dem resultierenden Getöse.


Gleich nebenan gab es den Honey Hive zu sehen, einen der größten Honiganbieter der Region. Früher konnte man dort Bienen bei der Arbeit zuschauen. Leider waren diese zum Zeitpunkt meines Besuchs nach einem Feuer ausquartiert worden, so dass nur noch der Souvenir-Shop mit Honigprodukten zu sehen war. Laaangweilig... und trotzdem blieb ich ein paar Minuten dort, um diverse Honigschnäpse zu verkosten. ;)


Ein paar Meter weiter besuchte ich den Prawn Park, eine skurrile Kreuzung aus Garnelenfarm und Erlebnispark für Kinder. Auf der einen Seite wurden dort regelrecht industriell Garnelen für den Weiterverkauf gezüchtet, auf der anderen Seite konnten Familien gegen Eintritt ihre Urlaubstage damit verbringen, mit einer kleinen Angel am Garnelenbecken zu sitzen und Garnelen zu fischen... oder durch einen Hindernisparcours über die Garnelenbecken zu hüpfen... oder sich mit Wasser neben den Garnelenbecken nass zu spritzen und so weiter und so fort. Der größte Fang des Tages wurde sogar auf einer Art Highscore notiert bevor er - wie die restlichen gefangenen Garnelen - in den Kochtopf geworfen wurde und als Ergebnis zum leiblichen Wohl seines Fängers beitrug.
Geschmackssache (im wahrsten Sinne des Wortes!) ist die Tatsache, dass der Park sein eigenes Maskottchen hat: Shawn the Prawn. So richtig mit Kulleraugen und einem netten Lächeln; im "hab mich lieb" style eben. An sich ja irgendwie niedlich, wenn man aber bedenkt, dass das Ziel eines Besuchs im Prawn Park ist, möglichst viele Shawns zu fangen, killen zu lassen und zu verspeisen, stellt dieser Park für manche Eltern spätestens im Restaurant erziehungstechnisch ein Schwergewicht dar, wenn die Kinder fragen, wo denn die ganzen niedlichen Krabbelviecher geblieben sind, die sie ja im Eimerchen mit nach Hause nehmen wollten. Guten Appetit! ;)
Ich griff nur schnell etwas Krabbensalat ab und machte mich auf die Socken.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Schrumpelfinger

Kawhia

Das Dörfchen Kawhia ist von der offiziellen Einwohnerzahl ungefähr mit Marokopa zu vergleichen, wirkt im Direktvergleich aber eindeutig größer. Immerhin konnten ich mir einen Campingplatz aussuchen, das will schon was heißen. ;)
Obwohl es hier - wie so oft - nur eine Hauptstraße gibt, auf der alle kommerziellen Zivilisationsanzeichen um die Gunst der 700 Einwohner buhlen, ist vor ein paar Jahren ein ganzer Haufen Geschichtsträchtiges passiert. Kawhia ist nämlich einer der Punkte, an denen die maori im Land gingen und eine der ersten Siedlungen errichteten.
Im 14. Jahrhundert verließ der Häuptling Hoturoa zusammen mit dem hohen Priester Rakataura und dem gesamten Stamm das mystische Heimatland Hawaiki und kam mit dem Kanu Tainui in der Bay of Plenty an. Da der hohe Priester aber voraus gesagt hatte, dass die neue Heimat des Stammes an einer Westküste liegen sollte, wurde das Kanu kurzerhand etwas südlich vom heutigen Auckland quer über die Insel gezogen. Von dort setzte Hoturoa seine Reise nach Süden fort, verfehlte aber beim ersten Versuch die vom hohen Priester beschriebenen Landschaftszeichen. Bei den Cook Islands an der Südinsel beschlossen sie umzudrehen und fanden im Kawhia Harbour schließlich im zweiten Anlauf die prophezeite Landschaft, banden das Kanu an den Baum Tangi te Korowhiti und fingen an zu siedeln. Da die Reise des Kanus Tainui nun beendet war, wurde es auf einen Hügel geschleppt und dort begraben. Hoturoa und Rakataura markierten das Grab mit zwei heiligen Steinen. Diese Steine und auch den Baum, an dem das Kanu angebunden wurde, kann man heute angeblich noch entdecken...

Ich packte aber lieber eine Schaufel ein und fuhr an den Strand vor der Stadt. In Kawhia gibt es nämlich auch thermale Aktivität, daher kann man sich am Strand - genau wie am Hot Water Beach auf der Coromandel Halbinsel - bei Ebbe einen privaten Heißwasser-Pool buddeln. Der Vorteil ist, dass Kawhia nicht so überlaufen ist wie Coromandel und man mit etwas Glück den ganzen Strand für sich hat.
Ich brauchte ein paar Versuche bis ich eine heiße Stelle im Boden fand und fing an zu buddeln. Ab einer gewissen Tiefe füllte sich das Loch recht schnell mit angenehm warmem Wasser, so dass man sich hineinlegen konnte und einem der Wind am Strand nichts mehr anhaben konnte. Herrlich!


In meinem Loch konnte ich es (fast) bis zum Sonnenuntergang aushalten; dann ging es mit schrumpeligen Fingern zurück ins Zelt.

Dienstag, 2. Dezember 2008

Forgotten World

Von New Plymouth auf den Forgotten World Highway

Auch am zweiten Tag in New Plymouth versteckte der Mt. Taranaki sich hinter seiner Wolke aus Tränen, also ließ ich den deprimierten Berg links liegen und fuhr weiter. Östlich des Mt. Taranaki - man könnte fast sagen: im Landesinneren - gibt es außer hektarweise Wald kaum etwas anderes zu bestaunen. Das ist übrigens fast generell überall so in Neuseeland: Das Leben ballt sich an den Küsten und dort auch nur stellenweise; sobald man etwas weiter ins Landesinnere fährt gibt es nur noch grüne Hügel, und davon eine Menge! Nachdem ich nun wochenlang fast nur an der Küste entlang gefahren war, beschloss ich, diese grüne Hügellandschaft und das neuseeländische Buschland wenigstens einen ganzen Tag auf mich wirken zu lassen. Eine der besten Möglichkeiten, mit eigenen Augen zu sehen, warum Neuseeland auf Landkarten immer so überdurchschnittlich grün ist, bietet der Forgotten World Highway (SH 43), der östlich des Mt. Taranaki beginnt und gute 150km mitten durch das Hinterland führt. Außerdem führt diese Straße vorbei an einigen Relikten aus alten Zeiten, in denen abenteuerlustige Siedler versuchten, das Hügelland zu erschließen und zu besiedeln, aber oft scheiterten.
Ich fuhr von New Plymouth in Richtung Süden nach Stratford (dort beginnt der Forgotten World Highway), wo ich mich im Infocenter ein Heftchen besorgte, das alle Stationen des Heritage Trails auflistet. Meistens handelte es sich bei diesen Relikten entlang der Straße um Reste befestigter Maori-Dörfer, stillgelegte Kohleberge, kleine Museen, Wasserfälle oder Siedlungsorte. Schnell war klar, dass von diesen Siedungsversuchen mittlerweile kaum noch etwas übrig war, da die Natur in dieser Gegend sehr unzugänglich ist. Daher ist das Erlebnis des Forgotten World Highways auch schwer in Bildern festzuhalten; links und rechts gibt es stundenlang eigentlich nur grüne Hügel oder Buschland zu sehen, aber wenn man irgendwo mitten in der Natur einen halben Schornstein als letzten Rest einer Siedlung oder einen Steinhaufen als Überbleibsel einer Maori-Festung entdeckt, dann bekommt man sehr schnell eine bedrückend genaue Vorstellung, wie beschwerlich das Leben vor einiger Zeit gewesen sein muss, als es z.B. die Straße noch gar nicht gab.
Ich ließ diese Eindrücke auf mich wirken und machte nur zwei kleine Abstecher von meinem Weg: Zuerst zum Makahu Tunnel, der vor über hundert Jahren gebaut worden ist. Dieser vielleicht 150m lange Tunnel wurde um die Jahrhundertwende unter extremen Strapazen in den Fels gehackt und gesprengt, um 3(!) km Weg über die Hügel zu sparen. Fortbewegung muss in dieser Gegend damals einfach nur ein Albtraum gewesen sein.


Mein zweiter Schlenker führte mich zu den Mt. Damper Falls, laut Forgotten World Highway Broschüre der höchste Wasserfall der Nordinsel. Ein kurzer Fußweg führte mich vorbei an aufgeregt blökenden Schafen, die in dieser einsamen Gegend wohl nicht so häufig einen Menschen zu Gesicht bekommen. Der Wasserfall war aber leider nicht besonders kräftig, da es in den letzten Tagen wenig geregnet hatte, und aufgrund der Höhe von ca. 80m kam am unteren Ende nur ein wenig Sprühregen an.



Die Geschichte meines nächsten Stops am Forgotten World Highway ist eigentlich recht amüsant: Es gibt da ein Dörfchen namens Whangamomona, das lokale Beamte 1988 der Region Manawatu angliedern wollten. Eigentlich nichts besonderes, aber das hätte bedeutet, dass die Anwohner von Whangamomona dann für den Rivalenbezirk Rugby hätten spielen müssen. Das passte den Leuten mal sowas von gar nicht in den Kram, dass sich Whangamomona nach einigen bürokratischen Streitigkeiten von Neuseeland lossagte und die Bürger ihre eigene Republik gründeten. Heute gibt es einen Grenzposten (der anscheinend nur selten besetzt ist), einen Präsidenten und sogar ein eigenes Landesbier.
Es hieß, dass der Präsident sowieso immer im einzigen Restaurant des Dorfes rumhängt und sich immer über Leute freut, denen er die Story seines Landes erzählen kann, also hatte ich den Plan, in Whangamomona kurz zu halten und mit dem Präsidenten ein Whangamomona-Bier zu schlürfen. Nachdem ich das ulkige "Welcome to the Republic of Whangamomona" Schild passiert hatte, bot sich aber ein eher trübes Bild: Der klohäuschenartige Grenzposten war nicht besetzt und die Häuser waren derart herunter gekommen, dass man sie fast ebenfalls für Relikte aus früheren Zeiten halten konnte. Außerdem beäugte mich die zweistellige Einwohnerzahl von Whangamomona derart argwöhnisch, dass ich mich um keinen Preis traute, im Restaurant nach dem Präsidenten zu fragen oder auch nur anzuhalten.
Naja, vielleicht starte ich im Januar 2009 einen zweiten Versuch, denn dann feiert Whangamomona seinen Unabhängigkeitstag und zelebriert seine Abspaltung zusammen mit über 5000 Gästen, die meist auf Auckland anreisen, mit Schafsrennen, Opossumhäuten und natürlich Whangamomona-Bier.

Mittwoch, 19. November 2008

Der Anfang der Welt

Von Rotorua zum East Cape

An diesem Tag entfernte ich mich weiter von meinem Startpunkt Auckland als ich es in der gesamten vorangegangenen Woche getan hatte. Rotorua war ausreichend besichtigt worden also machte ich mich in Richtung Osten auf den Weg. Von Rotorua erst ein Stück nord-östlich durch den Tarawera Forest bis an die Küste der Bay of Plenty, wo ich kurz in Whakatane halt machte und danach am Ohope Beach und Waiotah Beach vorbei kam. Rechts und links immer wieder begleitet von bis zu 10m hohen Hecken, die die Kiwi-Plantagen vor dem oft starken Wind schützen sollen. Bei Opotiki kam ich auf den State Highway (SH) 35, dessen 350km ich bis zum East Cape gut zur Hälfte abfuhr. Hört sich nicht nach einer Gewaltfahrt an und sieht auf der Karte auch nicht sonderlich problematisch aus, doch zu unterschätzen ist diese Strecke auf keinen Fall. Die kurvige Straße führt fast nur durch hügeliges Land (noch hügeliger als man es in Neuseeland eh schon gewohnt ist) und bietet keine Möglichkeit, den Berg hochkriechende Laster zu überholen, auf die man ab und zu doch mal trifft. Daher dauerte der Bau des SH 35 auch mehrere Jahrzehnte und verschlang so viele finanzielle Mittel wie selten ein Straßenprojekt in Neuseeland.
Wem diese Straße eigentlich nutzen soll, fragt man sich spätestens, wenn man Opotiki hinter sich gelassen hat und ein paar Kilometer an der Küste der Bay of Plenty zurückgelegt hat. Die East Coast ist eines der am wenigsten besiedelten Gebiete der neuseeländischen Nordinsel und die auf Touristen oder auch nur auf Backpacker ausgelegten Orte am SH 35 kann man auch an zwei Daumen abzählen: Opotiki, dort fängt die Straße an, und Gisborne, dort endet die Straße. Dazwischen gibt es nur 350km Ausblicke auf dramatisch unberührte Strände (Treibgut!) und nebelverhangene Hügel. Die paar Orte, durch die ich hindurch kam, wirkten sehr heruntergekommen und ärmlich, fast schon ausgestorben. Wenn man dazu dann noch weiß, dass die East Coast einer der Landstriche mit der höchsten Maori-Dichte unter der Bevölkerung ist, dann wirft das ein leicht trostloses Licht auf eines der großen sozialen Probleme des Landes. Trostlos ist auch eigentlich das richtige Wort, um diesen ganzen Tag zu beschreiben, denn so richtig gute Laune will sich nicht einstellen, wenn man stundenlang an verfallenden Hütten und nebeligen Stränden vorbeituckert.
Bei dem problemlos übersehbaren Ort Te Araroa verließ ich den SH 35 zu Gunsten einer Schotterpiste, die mich zum East Cape führte. Dort wollte ich mir den Leuchtturm am östlichsten Punk Neuseelands anschauen, doch mittlerweile war es schon so dämmerig, dass der 20minütige Aufstieg (über privates Land!) bei Tageslicht nicht mehr zu schaffen war. Ich rastete also auf dem einzigen (und vollkommen verlassenen; niemand war dort!) Campingplatz in der Gegend mit dem Plan, um morgen als allererster auf der Welt vom Leuchtturm am East Cape die Sonne aufgehen zu sehen. Ohne ein Zeichen von jeglicher menschlicher Existenz fühlte sich das East Cape an wie das Ende der Welt, aber technisch gesehen ist es dank Datumsgrenze ja der Anfang der Welt... sozusagen.