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Sonntag, 31. Mai 2009

Landschafts-Overkill

Von Okura nach Wanaka

An diesem Tag wurde ich leider nicht von der Sonne begrüßt, also warf ich mich schnell ins Auto und schaute nach, ob sie schon ohne mich losgefahren war.


Ich fuhr so schnell wie innerhalb der erweiterten Grenzen des Legalen möglich, doch auf dem gesamten Highway 6 war sie nicht zu finden. Über den Haast Pass überquerte ich die ersten Ausläufer der Southern Alps und machte kurz Rast am Thunder Creek und den Fantail Falls, zwei wunderschönen Beispielen für Gletscherbäche.



Nach dem Haast Pass führte die Straße zuerst am Wanaka Lake entlang und dann am Lake Hawea, die schneebedeckten Bergkuppen immer am Horizont.



Die Fahrt dauerte fast den ganzen Tag, da ich einfach immer wieder an den Straßenrand fahren musste, um die fantastische Landschaft zu genießen und noch ein paar mehr Fotos zu machen.


















Abends kam ich schließlich in Wanaka an, das allerdings aufgrund der nahe gelegenen Skigebiete ziemlich touristisch daher kam und selbst jetzt in der Nebensaison von typischen Touristen bevölkert wurde, die mehr Sinn für das nächstgelegene Café hatten als für die wunderbare Landschaft, in der sie sich befanden.


Ich fuhr also schon ein paar Kilometer in Richtung Queenstown über die Crown Range Road, die zu einem ziemlich gefährlichen und teilweise verschneiten Pass führte, wie ich am nächsten Tag noch feststellen sollte. Ich campierte einfach an einer verlassenen Nebenstraße, was sich als gute Entscheidung herausstellen sollte.

Montag, 18. Mai 2009

Multiple Geschmacksorgasmen

Von Hawkes Lookout zum Farewell Spit

Nach einer preisgünstigen Übernachtung auf dem Rastplatz beim Hawkes Lookout auf dem Takaka Hill schnappte ich der Sonne erneut dem besten Platz am Frühstückstisch weg und konnte beobachten, wie aus den grauen, nächtlichen Silhouetten der Hügellandschaft so langsam der grüne Vegetationsteppich erkennbar wurde. Nelson erwachte auch gemächlich und unterstützte die sich Zeit lassende Sonne mit immer mehr Lichtern.




Der Takaka Hill zeichnet sich durch tiefe und vor allem gefährliche Sickerlöcher aus, die von dem Regenwasser erzeugt werden, das sich seinen Weg durch den Boden sucht.
Außerdem liegen in der Gegend überall ziemlich scharf geformte Felsen herum, für die die Maori die entsprechende Legende parat haben:

Der Ngararahuarua, eine schreckliche echsenhafte Kreatur, machte vor langer Zeit die Gegend um die Wainui Bay unsicher, indem es Männer zerfleischte und Frauen entführte. Eines Tages verschleppte es die - natürlich - wunderschöne Ruru, die allerdings zu clever für das Monstrum war und es mit einem Schlaftrank außer Gefecht setzte und entfloh. Die Bewohner von Whakatu halfen Ruru danach, Ngararahuarua in ihr Dorf zu locken, wo sie ihm eine Falle gestellt hatten und es in Brand steckten. In Panik versuchte Ngararahuarua, sich seinen Weg auf der Falle zu buddeln, wurde allerdings von den Flammen verzehrt. Seine Überreste verteilten sich über den Takaka Hill und wurden zu Stein.



Umgeben von den Überresten des legendären Echsenmonsters fuhr ich den Takaka Hill weiter hinauf und bog in eine Schotterpiste ab, die mich zum Harwood's Hole brachte, der Höhle mit dem größten Eingang der Südhalbkugel. Der Weg dorthin war voller schlaftrunkener Schafe, die etwas Mühe hatten, über das mit Raureif benetzte Gras davon zu laufen, als ich mit dem Auto ankam. Auf dem Parkplatz traf ich zwei Deutsche, die mir auf dem kurzen Fußweg durch den Wald zur Höhle Gesellschaft leisteten. Der Wald um Harwood's Hole ist übrigens einer der Drehorte des zweiten - glaube ich - Teils der Herr der Ringe Trilogie, in dem die sprechenden und laufenden Bäume vorkommen. Das Gehölz dort war über und über mit Moos bedeckt, so dass es uns nicht schwer fiel, das wenige Herr der Ringe Feeling aufzunehmen, was dort verhaftet war.





Harwood's Hole an sich ist ein über und über gigantisches Loch im Boden. 70 Meter breit und 400 Meter tief. Ohne Absperrung standen wir auf einmal direkt am Rand und trauten uns kaum, hinein zu schauen, da hier der kleinste Ausrutscher tödlich enden könnte. Auf einem halbwegs sicheren Steinvorsprung machten wir kurz Pause und ließen diese unzugängliche Gegend auf uns wirken.





Nächstes Ziel waren die Te Waikoropupu Springs, Süßwasserquellen, die so sauber sind, dass man mehrere Meter auf den Grund des Teiches sehen kann, in dem sie entspringen. Nach einem kurzen faszinierten Blick lief ich über den Steg zurück zum Auto und weiter gings.



Mein weiterer Weg führte mich an die Küste der Golden Bay ganz im Norden der Südinsel, wo ich in Collingwood anhielt, um Schokolade zu kaufen. Nicht irgendwelche Schokolade, sondern hausgemachte Pralinen mit so verboten dicken Schokowänden, dass man nicht von ihnen abbeißen kann, sondern sie sich ganz in den Mund stopfen muss, was nicht nur dämlich aussieht, sondern mit sofortiger Wirkung zu einem multiplen Geschmacksorgasmus führt. Wäre ich Raucher, hätte ich mir danach eine Schokozichte anstecken müssen. :P


Mit der untergehenden Sonne kam ich am nördlichsten Punkt der Südinsel an, dem Farewell Spit. Ich begab mich gleich in die im Vergleich zur Umgebung leicht wärmere Campingplatzküche. Dort zerhackte ein für Seemannsverhältnisse mittelmäßig angetrunkener Hobbyfischer seinen riesigen Fang, der soviel Filetfleisch hergab, dass er mir netterweise eine mehr als ausreichende Portion anbot, die ich mir gleich in die Pfanne warf. Nach dem weltbesten Pralinen gab es abends also noch den besten Fisch aller Zeiten. Geschmacksgenüsse bis zum Umfallen... Zeit, sich eine anzustecken. ^^


Samstag, 16. Mai 2009

Bizarre Unterwäsche

Von Nelson nach Marakau

Zum Sonnenaufgang in Nelson gab es eine leckere Frühstücksdosensuppe mit ein paar sparsamen Brotbrocken. Im Rahmen dieses klischeehaften Camping-Mahls beobachtete ich, wie sich die Sonnenlinie so langsam über das Meer an mich heranpirschte.
Absichtlich ließ ich mich erwischen und besuchte den örtlichen Flohmarkt, der allerdings etwas enttäuschend war, wenn man den jährlichen Trödelmarkt aus Konstanz gewohnt ist, für den jedes Jahr wieder tonnenweise altes Gerümpel durch die engen Straßen gekarrt wird, um dort den Besitzer zu wechseln, welcher nächstes Jahr dann wieder das gleiche Gerümpel anschleppt und hofft, dass irgendein Depp ihm den Kram wieder abnimmt. Trotzdem wurde ich fündig: "Frankenstein" und ein Buch darüber, wie man Menschen manipuliert, um erfolgreicher zu sein... eine fantastische Kombination. Noch bevor ich auch nur eine Seite gelesen hatte, begann ich damit, erfolgreich zu sein, indem ich den armen Verkäufer auf die Hälfte des Preises herunterhandeln wollte. Der musste allerdings zuerst seine Frau um Erlaubnis fragen, mit der ich mich auf zusätzliche 80 Cent einigte. Mit der erschreckend grinsenden Gewissheit, ein Naturtalent zu sein, verließ ich den Flohmarkt und fuhr die wunderschöne Küstenstraße am Strand entlang.





Nächstes Ziel war das Wonderful World of Wearableart (WoW) & Collectable Cars Museum, eine etwas abstruse Mischung aus tragbarer Kunst und verschiedensten historischen und sonstwie besonderen Autos. Da ich von Autos und ihrer Geschichte kaum Ahnung habe und mich das - um ehrlich zu sein - auch herzlich wenig interessiert, beschränkte ich mich aufs Fotografieren, was so schon spaßig genug war. Unter anderem gab es den Wagen aus "Zurück in die Zukunft" zu sehen... wahrscheinlich nicht genau DEN Wagen, aber das Modell halt.














Etwas mehr Hintergrund hatte die Abteilung mit der tragbaren Kunst: 1987 hielt Suzie Moncrieff in einem Zelt die erste Modenschau ab, die im Laufe der Jahre zu den Ergebnissen führte, die heute in dem Museum zu sehen sind. Ursprünglich als Promotion und Plattform gedacht, war der Gedanke hinter dieser Aktion, nicht nur einfach Kleidungsstücke zu erschaffen sondern vielmehr tragbare Kunstwerke aus immer neuen Materialien, die natürlich nicht für den Alltag gedacht sind sondern eher eine Verschmelzung zwischen Kleidung und interpretierbarer Kunst darstellen. Diese jährliche Show erfreute sich exponentiell steigender Besucherzahlen und wurde 2005 nach Wellington verlegt, um diesem Andrang überhaupt noch gerecht zu werden. Gleich im ersten Jahr in Wellington kamen mehr als 30.000 Zuschauer. Wie ich einem kleinen Infofilm entnehmen konnte, hat sich dieses Event seitdem weit über eine Modenschau hinaus entwickelt und stellt jedes Jahr wieder ein multimediales Spektakel dar. Die Preisträger verschiedener Kategorien, wie z.B. illumenum art werden aber immer noch in Nelson ausgestellt. Besonders berühmt ist die Show durch ihren Bizarre Bra Award geworden, in dem den Künstlern bei der Gestaltung extravaganter Büstenhalter keine Grenzen gesetzt sind. Zwei Beispiele davon waren im Automuseum zu sehen, in dem das Fotografieren im Gegensatz zum WoW erlaubt war. (Irgendwer sollte den Leuten in Nelson flüstern, dass sie Blizzard für die Abkürzung verklagen sollten.^^)



Eindeutig zu erkennen ist, dass diese "Unterwäsche" eher selten "drunter" getragen werden sollte... gäbe gaaanz komische Formen.

Damit hatte ich die Sehenswürdigkeiten Nelsons meiner Meinung nach mehr als abgegrast und brauste somit weiter nach Nordwesten und machte kurz Halt auf der Rabbit Island, die mitten in einem der größten Weinanbaugebiete der Südinsel liegt.



Zwei Sandwiches später war ich auch schon wieder auf dem Weg zum Abel Tasman National Park. Durch Kaiteriteri mit seinen goldgelben Stränden kam ich in Marakau an, dem letzten Ort vor dem Nationalpark. Hier hörte die Straße einfach auf und hier würde mich am nächsten Tag auch das Wassertaxi abholen.