Dienstag, 15. Juli 2008

Mädchenkriege

Von Russell bis Omapere

Montag letzter Woche wurde früh aufgestanden, schließlich war ja ein Werktag! ;) Garfield war schnell verabschiedet, denn ich wollte noch das Städtchen Russell besichtigen und herausfinden, wie man sich am zeitgünstigsten die Bay of Islands anschauen kann.
Aber zuerst muss ich ein paar Wörtchen über Russell verlieren, denn hier gings geschichtsträchtig hoch her: Ursprünglich war die Stadt eine befestigte Maorisiedlung, die auf den schönen Namen "Kororareka" (übersetzt "süßer Pinguin") hörte. 1830 war dann aber Schluss mit einträchtiger Romantik, denn dann wurde die Gegend Schauplatz der blutigen "Mädchenkriege". Angeblich buhlten zwei Maorimädchen um die Gunst und damit auch das Vermögen des erfolgreichen Walfängerkapitäns Brind. Während des Buhlens liefen sich die beiden Grazien einmal zufällig am Strand über den Weg und es kam zu einem heftigen Wortwechsel und schlussendlich Handgreiflichkeiten. Wie es so kommen musste, bekamen die jeweiligen Familien der Mädchen Wind von dem Vorfall, so dass es zu Racheaktionen auf beiden Seiten kam, die innerhalb von wenigen Wochen mehrere hundert Menschen das Leben kosteten, bis Missionare endlich ein Friedensabkommen vermitteln konnten.
Außerdem kam es 1845 während des Northland-Landkriegs zu wilden Belagerungen und Kämpfen um die Stadt, als Hone Heke, der Häuptling der Hgapuhi damit drohte, den Flaggenmast der Pakeha (diese stellten in der Zeit wohl die Vertretung der Regierung dar) zu fällen, was er davor schon dreimal getan hatte. Durch ein Ablenkungsmanöver gelang ihm dies auch und die Regierungsvertretung musste sich aus der Stadt zurückziehen. Während des Rückzugs wurde der Kapitän der HMS Hazard (dem Schiff der Pakeha) schwer verwundet, worauf sein Vertreter den Befehl gab, die Kanonen auf die Stadt abzufeuern. Durch diesen Beschuss wurden fast alle Gebäude der Stadt zerstört bzw. schwer beschädigt.
In den Folgejahren war Russell ein Treffpunkt für geflohene Strafgefangene, Walfänger, Prostituierte und betrunkene Seefahrer. Selbst Charles Darwin hielt sich dort eine Weile auf und schrieb über den Ort, dass er mit dem "Abfall der Gesellschaft" angefüllt sei. Bald erhielt Russell den Beinamen des "Höllenlochs des Pazifiks".

Soweit der Reiseführer... ich machte mich also auf, um mir die Überreste der Vergangenheit des nun geläuterten Städtchens anzusehen.




Eines der wenigen Gebäude, die den Beschuss von 1845 überstanden haben, ist die Christ Church, die älteste Kirche Neuseelands. Mit etwas Phantasie konnte man beim Besichtigen noch Einschusslöcher von Musketen und Kanonen entdecken. Nebenbei: Charles Darwin spendete Geld für den Bau der Kirche.


Dann gab es da noch das Pompallier House, das letzte erhaltene Gebäude der römisch, katholischen Mission im westlichen Pazifik. Aufgrund des überhöhten Eintrittspreises sparte ich mir das und die damit verbundene Geschichte, in der es eh nur um christlichen Buchdruck ging. Booooring!

Dann war es auch schon Nachmittags, ich wollte aber noch unbedingt die Bay of Islands sehen, DIE Sehenswürdigkeit schlechthin im Norden Neuseelands. So ziemlich alle Filmsequenzen, aus denen man Neuseeland kennt (außer denen auf Bergen und Gletschern und so) sind wohl hier oder zumindest in der Gegend gedreht worden. Die Bay of Islands besteht auf ca. 150 kleinen Inseln, die glücklicherweise unbebaut geblieben sind. Auch hier ist einiges Geschichtsträchtiges passiert, aber das überspringe ich jetzt einfach mal. (Friedensverträge zwischen 46 Maori-Häuptlingen wurden hier unterzeichnet.)
Ich ging ins kleine Fährhaus und informierten mich. Eine normale Tour dauerte ca. fünf Stunden, aber so viel Zeit hatte ich nicht. Daher entschied ich mich für die zeitsparende Alternative: Jetboat! Dieses Highspeedgerät fuhr genau die gleiche Strecke wie die normalen Fähren, nur... naja, etwas schneller, so 50 Knoten ungefähr. Genau das richtige für den zeiteffektiv Reisenden. Das Tickets wurde erworben und die restliche Stunde bis zur Abfahrt damit verbracht, den Berg zum vorhin erwähnten Flaggenmast, dem "Flag Pole" hochzukrakseln. Ich hätte ja auch mit dem Auto fahren können, direkt davor gab es einen Parkplatz mit dazugehöriger Straße, aber aus irgendeinem Grund war ich der Meinung, dass es zu Fuß spannender wäre. Naja, nachdem ich dann endlich oben war, stieg mein Respekt für den guten Hone Hake ins Unermessliche, der diesen Weg schon vor 160 Jahren insgesamt viermal hoch- und runtergelaufen war und sich auf dem Hügel auch noch beim Flaggenmast fällen sportlich betätigt hatte. Aber für den Ausblick lohnte es sich und ich wurde aufgrund des wechselhaften Wetters in der kurzen Zeit, die ich dort oben verbrachte, gleich mit mehreren Regenbögen zugeballert.





Interessant anzusehen war dort eine Gruppe junger Mädels, die von ihrer mutmaßlichen Oma zu einer Geschichtsstunde auf den Hügel gekarrt worden war. Angestrengt lasen sich alle aufmerksam die Infotafel durch, auf der die ganze Flaggenmast-Story eingemeißelt war. Kurz vorweg: Der ursprüngliche Flaggenmast (der ja mehrmals gefällt worden war, also folglich aus Holz bestanden hatte) war mittlerweile durch einen massiven Stahlpfahl ersetzt worden. Nach dem Lesen schaute eines der Mädels ganz verwundert auf den Pfahl und fragte die anderen sinngemäß: "Wie zur Hölle hat der Typ es geschafft, dieses Metall-Ding mit 'ner Axt umzukloppen?" Kommentar überflüssig. *patsch*


Nachdem ich zuende gelacht hatte, ging es wieder herunter zum Anleger, wo auch schon das Jetboat angeschippert kam. Irgendwie hatte ich mir das schneller vorgestellt. Nach einer kurzen Einweisung und dem Anlegen von Wasserschutzanzügen wurde ich auch schon auf so einer Art robusten Gartenstühlen auf Deck platziert und schon gings los. Dann wurde mir auch klar, warum das anfangs so lahm ausah: Innerhalb der Hafenzone musste der Kapitän natürlich abbremsen... aber nachdem diese passiert war, drückte er auf die Tube, dass es einem nur so die Tränen aus dem Augen quetschte. Mit 50 Knoten heizten wir über die etwas unruhige See und hüpften dabei gelegentlich über kleinere und größere Wellen, die einem das Essen im Magen reorganisierten. An besonders hübschen Inseln oder Stränden hielt das Boot an, so dass wir kurz Gelegenheit erhielten, Fotos zu machen oder sich zu übergeben... nee, scherz, aber rein theoretisch wäre es möglich gewesen. ;) Höhepunkt war die Durchquerung des "Hole in the Rock", eines unterhöhlten Gesteinsmassivs. Nach gut 90 Minuten waren wir dann auch schon zurück in Russell und das war auch ganz gut so, denn allein vom Fahrtwind wurde einem irgendwann dann doch kalt, trotz zwei Pullis und zwei Jacken.
In Russell lief ich dann noch einmal am Strand lang...







...und machte mich dann auf nach Okiato, um dort mit der Fähre nach Opua überzusetzen. Diese Dschungelstrecke vom Vortag wollte ich auf jeden Fall vermeiden. Von dort ging es weiter nach Omapere, wo ich in der Globetrackers Backpacker Lodge unterkam.








Montag, 14. Juli 2008

Mangrovensümpfe

Von Whangarei bis Russell

Da die guten Leute im Manaakitanga Whangari mir das Privileg einer Elektroheizung in unserem Zimmer gewährten, erwachte ich am Sonntag letzter Woche ausgeruht und nicht unterkühlt aus Albträumen über Riesenglühwürmchen. Ratzfatz räumte ich das Zimmer und holte das am Vortag leider ausgefallene Schuhshopping nach. Die sehr freundliche Verkäuferin in dem Laden hat sicherlich auf dem Weg zum Lager und zurück, den sie für mich mehrmals zurücklegte, um Schuhe zu transportieren, ihrem persönlichen Paar einige Jahre Lebenserwartung entzogen. Naja, schließlich wird sie ja bezahlt dafür und bekommt bestimmt Rabatt beim Neuschuhkauf. Aber sie hat sich wirklich so viel Mühe gemacht, dass ich mir schon ein wenig doof vorkam. (Um sicherzugehen, dass sie meine Schuhgröße auch richtig in das hier übliche Maß umgerechnet hatte, schleppte sie zur Sicherheit gleich drei Schuhkartons an... und das bei ca. fünf anprobierten Paar Schuhen. Respekt von meiner Seite, das ist mir in Deutschland noch nie passiert.) Schließlich wurde etwas in Maß und Style passendes gefunden und gekauft (hier ist grad Winterschlussverkauf!).
Weiter gings ins "Caffeine" zum Frühstück. Dort habe ich zum ersten mal seitdem ich hier bin Körnerbrot gesehen. In den Supermärkten gibt es eigentlich nur Weißbrot und zwar in allen denkbaren Formen und Größen. Dieses Körnerbrot wurde auch gleich an der Menu-Tafel explizit erwähnt und beworben, als wäre es eine Besonderheit, was es hier ja auch irgendwie ist. Diese Menu-Tafel ist übrigens in vielen Bistros bzw. Café hier Standard. Es gibt also keine Karte am Tisch, von der man ablesen kann, was es so an Nahrung und anderem zu bestellen gibt, sondern es gibt eine große Tafel, die meistens an der größten Wand der Lokalität hängt und mit den aktuellen Angeboten vollgeschrieben ist. Das hat den meiner Meinung nach unangenehmen Nebeneffekt, dass alle Gäste, die nicht schon seit 15 Jahren jeden Morgen immer den gleichen Kaffee bestellen, erstmal mitten im Raum stehen bleiben und die Wand bzw. Tafel anstarren. Das kommt besonders gut, wenn man zufällig den Tisch direkt vor der Tafel ausgewählt hat, um sich sein Frühstück reinzupfeifen. Dann hat man nämlich das Gefühl, dass einem jeder einzelne Gast (bis auf die eben genannten Stammgäste natürlich) gleich nach dem Hereinkommen ins Essen glotzt. Das also nur als Tipp für neuseeländische (und sonstwoländische, in denen es auch eine Tafel gibt) Cafés: Setzt Euch bloß nicht in die Nähe der Tafel! ;)

Schon beim Verspeisen des Körnerbrotes wurde die kleine Infobroschüre über Whangarei wieder hervorgeholt. Laut Reiseführer sollte es einen recht schönen Wanderweg durch Mangrovensümpfe geben ("Whangarei Walkway"), der auch über eine 300m lange Holzbrücke führt, von der man angeblich einen sehr guten Überblick über die Landschaft haben sollte. Den Ausblick von der Holzbrücke wollte ich mir nicht entgehen lassen, also wurden die Salatbeilagen brav heruntergewürgt während der Wagen schon mal vorgefahren wurde und die neuen Schuhe der Ausführung "leichter Wanderer" geschnürt wurden. Der Walkway war schnell gefunden, aber es stellte sich heraus, dass die Leute vom Lonely Planet (das ist der führende Reiseführer^^ für NZ) in diesem Fall nicht ganz akurat gearbeitet hatten. Erstens gab es keine Holzbrücke in versprochener Länge und zweitens war damit auch der Ausblick gegessen. Ich glaube, die guten Autoren wollten sich den Fußweg sparen und haben einfach das Infoblatt über Whangarei überflogen und den falsch verstandenen Inhalt dann gedruckt. Im Infoblatt stand z.B. über einen ganz anderen Walkway, dass dieser an ehemaligen Bahngleisen vorbeiführt, die auch eine alte 300m lange Eisenbahnbrücke enthalten, die allerdings nicht mehr begehbar ist. Lonely Planet verfrachtet diese Eisenbahnlinie einfach mal ein paar Kilometer weiter nach Norden, gibt dem Walkway einen anderen Namen und erklärt die baufällige Brücke exklusiv für Fußgänger eröffnet. Ein dickes Minus für Lonely Planet an dieser Stelle! Beim nächsten Trip verlasse ich mich nicht mehr blind darauf.
Aber so bekam ich wenigstens einmal die Mangrovensümpfe zu sehen, von denen einiges an Fläche im Norden Neuseelands bedeckt ist. Auf die Dauer ist es eine recht einseitige Vegetation, verlaufen möchte ich mich darin nicht. Vielleicht sieht es hier im hiesigen Sommer aber auch ganz anders aus, das will ich nicht ausschließen, eventuell blühen dann ein paar mehr Pflanzen. Egal, ein paar kleine Brücken waren sogar auch noch im Weg verbaut, also habe ich ja fast das bekommen, was ich erwartet hatte... nur anders und mit einer ganzen Portion Dschungel-Feeling.




Nachdem ich mein Auto auf dem schlammigen Parkplatz von unten bis oben mit Dreckspritzern vollgekleckert hatte, konnte es auch schon weitergehen in Richtung Norden auf dem Highway 1. Kurz nach Kawakawa (der Ort ist bestimmt mal von polnischen Einwanderern aus der Kaffee-Industrie gegründet worden) verließ ich den Highway 1 Richtung Osten und war binnen Minuten auf einer Schotterpiste mitten durch den Busch unterwegs. In Russell angekommen war es gar nicht so einfach, eine Unterkunft zu finden, weil für die Jahreszeit ungewöhnlich viel Betrieb herrschte. Ich landete dann im "Sheltered Waters", einem Einfamilienhaus mit vier Gästezimmern, das ich im Grunde dann ganz für mich hatte, weil sonst keine Gäste da waren. So ließ ich den Abend zusammen mit der Haushälterin und den Katzen Garfield und Fatty am Kamin vor der Glotze ausklingen und ertrug den aktuellen Superman dank Kevin Spacey als Lex Luthor.

Am nächsten Tag war dann die Bay of Islands dran.

Glühgruselkäfer

Von Pakiri bis Whangarei.


Pünktlich am Samstag vor dem Frühstück räumte ich die Hütte im Beach Holiday Park in Pakiri und verzichtete dank Regen auf den Spaziergang am Pakiri Beach. Ich ließ es mir aber nicht nehmen, dem Nachbarn vor die Veranda zu fahren, um wenigstens aus dem Auto heraus einen Blick auf den Strand zu werfen. Ein netter Strand, wenn es nicht gerade regnet. Im Sommer komme ich wieder...
Über einen kleinen Umweg ging es zurück auf den Highway 1 und einige Stunden später war ich dann auch schon in Whangarei.


Mit 45.000 Einwohnern ist Whangarei eine der größeren Städte im Norden Neuseelands, quasi das Zentrum der Nordinsel. Nach einem kurzen Besuch im Information Point war ich schlauer, was es dort so an Sehenswürdigkeiten abzuklappern galt. Beim weiteren Rumfahren stieß ich dann auch schon auf den Wegweiser (also nicht buchstäblich natürlich) "Whangarei Falls", der mich zu den gleichnamigen Wasserfällen bzw. den Parkplätzen davor geleitete. Der Name versprach botanischen Romantik-Kitsch, welcher ein paar Stufen abwärts auch schon erreicht wurde. Nach dreimaligem Auf- und Abbauen des Fotoequipments aufgrund von perfektem Regen-Timing war entsprechende Romantik dann ein wenig später auch in Pixel gequetscht. Zeit abzuhauen. ^^


Das unstete Wetter machte mir die Entscheidung zum Rückzug nur leichter und trotzdem hätte ich fast einmal eine falsche Abzweigung genommen. Erst im Auto sah ich, was mir fast passiert wäre: Nach der Brücke am Wasserfall gab es eine Weggabelung, beschildert mit "Rundweg...". Ich kam vom Parkplatz, einmal um den Wasserfall rum, also müsste es hier wieder zum Parkplatz gehen. Nur in welche Richtung dieser Rundweg weitergeht, konnte man dem kleinen Schildchen an der Gabelung leider nicht entnehmen. Ich nahm links und kehrte nach guten 15 Minuten um, als ich an eine Hängebrücke kam. Rechts wäre natürlich richtig gewesen. Murphy halt.

Der linke Weg hätte direkt zu einem anderen Wanderweg geführt und hätte auch "nur" gute zwei Stunden in Anspruch genommen, entnahm ich dem kleinen Faltblatt vom Information Point, das natürlich im Auto liegen geblieben war. Es war also eine gute Entscheidung gewesen, umzukehren... so ca. eine Stunde vor Sonnenuntergang.

Mittlerweile fraß sich die Nässe durch meine leichten Schuhe an den Hosenbeinen hoch... es war nur eine Frage der Zeit bis... *brr* bloß nicht drüber nachdenken. Ich checkte in einem Hostel namens "Manaakitanga Whangari" ein und informierte mich über den nächstgelegenen Outdoor-Shop für den notwendigen Schuhkauf. Das Wort "nächstgelegener" ist hier wahrscheinlich zu übersetzen mit "einziger vernünftiger in der Stadt" aber selbst der hatte samstagabends nicht mehr offen, dafür aber am Sonntag, wie übrigens die meisten Geschäfte in Neuseeland.
Also wurde der Schuhkauf verschoben und mit den Vorbereitungen für die spätabendliche Glühwürmchen-Begaffung begonnen. In Fußmarschnähe zum Hostel sollte es nämlich so eine Art Glühwürmchenhöhle geben, in der man diese Spezies bei Dunkelheit gut sehen konnte. Diesmal wurde das kleine Infoblatt vom Info Point also eingepackt (selbst wenn es für die geplante Gegend recht nutzlos war), an der Rezeption wurde ich freundlicherweise noch mit einer monströsen Taschenlampe ausgestattet und los gings.
Um ehrlich zu sein hatte ich mir ungefähr folgendes vorgestellt: Eine gigantische Höhle (ungefähr wie die im ersten Teil der Herr der Ringe Filme, in der die Gefährten vom Balrog überrascht werden), in der abertausende von kleinen Leuchtpunkten in wirren Mustern hin- und herschwirren und dabei ein furchteinflößendes Surren von sich geben. Naja, was soll ich sagen, trotz oder vielleicht gerade wegen dieser überaus realistischen Erwartung meinerseits war ich etwas enttäuscht: Nach einigen kleineren Unklarheiten über den richtigen Weg und einem unerwarteten Hagel(!)schauer (den ich im Schutze der Bäume bei einem ausrangierten Bus nur knapp überlebte) erreichte ich schließlich den Weg zu den Glühwürmchen. Man erkannte ihn daran, dass dort sämtliche Straßenbeleuchtung auffhörte und man seine eigene Hand vor Augen nicht mehr erkennen konnte (diesmal buchstäblich!), sobald man zehn Schritte von der regulären Straße in den Wald hinein gemacht hatte. Ein Hoch an dieser Stelle auf meine gigantische Taschenlampe! Nach einigen weiteren hundert Schritten ins immer dunkler werdende Nichts stellte sich die Glühwürmchenhöhle als eine Art Weg heraus, der sich ein wenig ins ihn umgebende Gelände gefräßt hatte. Mittlerweile war es wirklich verdammt dunkel, besonders als ich die Taschenlampe ausmachte. ;) In den ersten Sekunden sah man wirklich gar nichts, aber dann - als die Augen sich so langsam an die Dunkelheit gewöhnt hatten - konnte man hunderte von kleinen leuchtenden Punkten ausmachen, die seitlich in der Erdwand steckten. Das Licht war zwar sehr schwach, erzeugte aber nach einer Weile so ein hintergründiges Glühen, was besonders gut aus den Augenwinkeln heraus wahrgenommen werden konnte. Und kaum schaute man direkt drauf, war es weg. Ich leuchtete dann noch kurz das Infoschild aus, erfuhr, dass Glühwürmchen eigentlich Glühkäfer sind und machte mich dann auf den Rückweg, weil es so langsam echt gruselig wurde.

Sonntag, 13. Juli 2008

Von Auckland bis Pakiri

So, jetzt zum Roadtrip:


Wie gesagt, letzte Woche Freitag machte ich mich sehr spontan auf, mein Autochen (für das es übrigens immer noch keinen Namen gibt) einem Härtetest zu unterziehen. (Wahrscheinlich wird es doch bei "Automo-Car" bleiben, ganz nach einer Futurama Folge. Wer weiß, welche?)




Nach einer kurzen, groben Planungsphase steckte ich einfach die noch nicht ganz ausgepackten Taschen ins Auto und los gings im Vertrauen auf den Reiseführer. Leider war das Wetter nicht so ganz vom richtigen Zeitpunkt meiner Abfahrt überzeugt und setzte an meiner Liste der zu besuchenden Freiluftattraktionen gnadenlos den Rotstift an. Die Gegend um Auckland herum kann ich mir aber auch noch im Sommer genauer anschauen, also nutzte ich den restlichen Tag, um wenigstens etwas Strecke zu schaffen. Sobald das Stadtgebiet von Auckland verlassen war, ging es auch recht fix auf dem Highway 1 voran Richtung Norden. (Nicht vergessen: Hier auf der Südhalbkugel heißt Richtung Norden: Es wird wärmer! ;) )
Auf der z.T. ziemlich kurvigen Strecke (das war aber noch gar nichts, sollte ich bald feststellen) gab es immer wieder die Möglichkeiten, Unmengen an Landschaft zu bestaunen. Und es ist erstaunlich, wie weit man hier selbst bei schlechtem Wetter noch von einer gewöhnlichen Straße aus sehen kann.
Kurz vor Pakiri nutzte ich eine gute Wetterlaune, um mir den Omaha Beach kurz vor Sonnenuntergang anzuschauen. An sich war der Strand nicht besonders spektakulär, im Sommer ist es sicherlich sehr nett dort, aber im Licht der untergehenden Sonne hatte dieser S(!)andstrich seine ganz eigene Atmosphäre. Diese genoss ich bis sie mit der Sonne verschwand und ich brachte die letzten paar Kilometer bis nach Pakiri hinter mich, wo ich im "pakiri beach holiday park" unterkam. Hier hätte man noch den angrenzenden Strandabschnitt erkunden können, aber nicht bei Regen.
Am nächsten Tag sollte es dann weiter nach Whangarei gehen...

Samstag, 12. Juli 2008

Pie mit Ei

Der heute eigentlich geplante Blogeintrag muss leider entfallen.
Denn: Gerade als ich mich gemütlich mit dem Laptop ins Sofa flätzen wollte, um endlich einmal die ersten Texte zu meinem Roadtrip zusammenzutippseln, wurde ich geradezu gezwungen, vor dem Fernseher Platz zu nehmen... glücklicherweise auch in einem Sofa. Bis zu diesem Zeitpunkt also für mich bis auf den im Zimmer gebliebenen Laptop noch kein Verlust. Ich konnte die Aufregung unserer Flatmates Ian und Sheree praktisch in Ihren Augen ablesen, hatte aber nicht den blassesten Schimmer, worum es eigentlich ging und warum ich auf einem anderen Sofa saß als sonst. Ohne mich aufzuklären, war die Diskussion zwischen den beiden aber schon zum Thema "Wo ist die Fernbedienung?" bzw. "Wo ist die RICHTIGE Fernbedienung?" übergegangen und ich nutzte die kurze Unaufmerksamkeit, um mich in der Küche mit zwei der gerade fertig gewordenen meat pies einzudecken. Auf dem Rückweg wurde ich aber schon wieder abgefangen und vor der Glotze fixiert. Auf dem Schirm liefen eine Menge muskulöser Männer in zwei unterschiedlichen Trikotfarben auf einer Rasenfläche herum. Fußball? Nee! Dafür waren die Leute eindeutig zu bullig ausgestattet und liefen einfach zu viel mit dem Ball in der Hand rum. Andererseits lagen sie auch verdammt viel auf dem Boden rum. Ich fragte mich, ob Portugal heute ein Spiel haben könnte.
Ich holte meine Brille und da wurde die Situation klarer: Heute spielten die New Zealand All Blacks gegen South Africa. Rugby also. Den Haka hatte ich dank meat pie (hmmm, meat pie!) schon verpasst, da bekam ich von Sheree auch schon innerhalb von dreieinhalb Minuten einen Crash-Kurs in Sachen Rugby-Regelwerk: 15 Leute pro Team, der Ball bzw. der Rugby darf in jede Richtung geschossen werden, aber nur nach hinten geworfen, Punkte gibts für einen erfolgreichen "Try", der durch eine "Conversion" aufgewertet werden kann, aber nicht muss, außerdem gibt es die Möglichkeit, durch einen "Dropkick" oder einen "Penalty Kick" zu punkten, die sich darin unterscheiden, ob das Tor aus dem Spiel heraus oder nach einem Foul getroffen wurde. Alles klar.
Für einen meat pie essenden Laien wie mich sah das ganze dann aus wie 30 mehr als ausgewachsene Männer, die sich beim Versuch, einen Ball in Form eines Rotationsellipsoids von A nach B zu transportieren nicht auf Rechts- oder Linksverkehr einigen konnten und daraufhin eine Auseinandersetzung vom Zaun brachen, die in den meisten Fällen in einem gigantischen Körperhaufen endete, der sich direkt auf dem Rotationsellipsoids befand, welcher damit seinem eigentlichen Ziel - nämlich dem Tor des entsprechend gegnerischen Gegners, also B (je nach Ausgangslage) - nicht wirklich näher gekommen war. Ich versuchte, ehrliches Mitfiebern mit der richtigen Hälfte des Menschenhaufens auf dem Bildschirm zu signalisieren. Das ist verdammt schwierig, wenn man gleichzeitig versucht, einen noch ziemlich heißen meat pie zu verspeisen. Es hätte auch ohne vollen Mund wohl nicht wirklich überzeugend gewirkt, denn Ian und Sheree entschuldigten sich geradezu nach jedem Gefühlsausbruch in Folge einer Wendung im Spiel, die ich dann wohl verpasst hatte.
Das lief dann ungefähr so ab:

Ian: "ARGH!! Damn referee, what was this for?"
Ich: *mampf*
Ian: "Oups, sorry!" *grinst*


Oder:

Sheree: "Run! RUN! RUUUUUUUUUN!"
Ich: *Bahnhof*
Sheree: "Hehe, sorry 'bout that." *setzt sich wieder und sucht die Einzelteile der Fernbedienungen zusammen*


Naja, ich fasse das Ergebnis zusammen: Zwei meat pies niedergestreckt, Neuseeland hat 28:30 verloren (meiner fachkundigen Meinung nach völlig unverdient! ^^) und der ursprünglich geplante Blogeintrag wurde auf morgen verschoben... wir bleiben am Ball... äh Ei... äh Rotationsellipsoid... Ihr wisst schon.

Freitag, 11. Juli 2008

Schnitzen für Fortgeschrittene

Keine Sorge, ich lebe noch. ;)
Vor ziemlich genau einer Woche habe ich mich nur spontan zu einem Roadtrip Richtung Norden entschlossen.
Berichte und Fotos davon muss ich noch nachbereiten, das gibts dann später...

Hier nur kurz ein paar nachgereichte Eindrücke:

Mit dem niegelnagelneuen Auto bin ich letzte Woche zum ersten mal aus der Stadt rausgekommen und habe mir ein paar Strände am Tamaki Drive angeschaut. Erstaunlich ist, dass der Wassersport selbst im "Winter" nicht aufzuhalten ist. Hier ein kleiner Schnappschuss vom Strand, durch dessen Szenerie mir natürlich einer dieser Kite-Surfer durchheizen musste. ;)



Auf Rangi war aber Verlass und fünf Minuten später (pünktlich zum ersten Einsatz des Graufilters) sah es dann so aus. Man beachte die Tropfen auf der Linse...



Am Tag darauf war immer noch Verlass auf Rangi also wich ich auf eine überdachte Sehenswürdigkeit aus und schaute mir das Auckland Museum an. Schon das Gebäude an sich ist imposant. Der weitläufige Bau ist auf einer großzügigen Rasenfläche auf einem Hügel angesiedelt und bietet einen netten Ausblick auf die Stadt. Auch das Innenleben ist inhaltlich eindrucksvoll sowie gestalterisch professionell aufgemacht. Auf drei Geschossen werden allerlei Exponate der Pazifischen sowie insbesondere der Maori Kultur präsentiert. Unter anderem gibt es ein 25m langes Kriegskanu zu sehen, dessen Innenboden hier im Detail zu sehen ist. (Das ganze Teil war praktisch unfotografierbar in den Räumlichkeiten.)



Dieses kleine Segelboot (fragt mich nicht nach dem genauen Ausdruck, da kennen sich andere sicherlich besser aus ;) ) war dafür gerade noch so auf den Sensor zu bekommen.



In den Nebenräumen gab es einen ganzen Haufen an Schmuck, Waffen, Skulpturen u.ä., die allesamt dicht mit Schnitzereien übersäht sind. Man bekommt fast den Eindruck, dass es in einem orginalgetreuen Maori-Haushalt keine Fläche über ein paar Quadratzentimetern geben dürfe, die nicht komplett mit Mustern versehen ist.
















Besonders gut fand ich dieses Messer, dessen Klinge aus Haifischzähnen besteht... mit Schnitzereien bedeckt natürlich.



Und dann gabs da noch eine Maori-Marionette mit der rituellen Gesichtsbemalung; früher gedacht als Spielzeug für weiße Kinder.



Mein Highlight war aber definitiv die in Orginalgröße nachgebaute Maori-Versammlungshütte.




Und das war nur das Untergeschoss... kurz vor 17°° habe ich es noch in den ersten Stock geschafft, wo es eine Ausstellung zum tektonischen Aufbau Neuseelands und der damit verbundenen Vulkanlandschaft gab. Und gerade als ich mich in den Erdbebensimulator begeben wollte (ein kleines nachgebautes Häuslein komplett mit Sofaecke und allem drum und dran!), wurde ich rausgeschmissen, weil das Museum leider geschlossen wurde. Und weil der ganze Spaß auch noch umsonst ist, werde ich mich dort bestimmt nochmal blicken lassen... an einem verregneten Nachmittag wahrscheinlich.