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Sonntag, 17. Mai 2009

Freiheitsdiagnose

Abel Tasman Track

Früh morgens versammelte ich mich zusammen mit den ganzen Verrückten, die unbedingt bei einstelligen Wassertemperaturen eine Kajaktour machen wollten, an der Aqua Taxi Station. Ich wurde mit ein paar ebenso kälterealistischen Japanern, Peruanern und zwei Engländerinnen in ein Motorboot auf einem Anhänger geladen, das unser durchweg positiver Wassertaxifahrer mit einem Traktor zum Strand zog. Wir warfen der Gruppe selbsterwählter zukünftiger Wassersportler noch einen mitleidigen Blick zu, wie sie sich jetzt schon in ihren Schwimmwesten und leichten, wasserabweisenden Klamotten einen abfroren.
Unser Traktorfahrer zog uns hunderte von Metern auf dem Anhänger durchs seichte Wasser bevor er genau an der Stelle anhielt an der es anscheinend plötzlich tiefer wurde. An dieser Stelle stieg unser Vertrauen in den Mann noch weiter, er schien das schon eine Weile zu machen... keiner der Leute im Boot hätte erkennen können, dass es da auf einmal tiefer wurde, wie wir einhellig feststellten. Es besteht aber auch die ganz geringe Wahrscheinlichkeit, dass unser Traktorfahrer sich auch einfach nur an einer bestimmten Boje orientiert hat, die massenweise im Wasser rumschwappten. Um die allgemeine bewundernde Stimmung nicht zu trüben, behielt ich diese Möglichkeit allerdings für mich. ^^
Mit einem beherzten Tritt auf die Bremse schubste uns unser Chauffeur mit dem Boot vom Anhänger, ließ den Traktor von einem Handlanger zurückbefördern und hüpfte zu uns aufs Boot. Auf dem Weg übers Wasser zeigte er uns ein paar mittelmäßig spannende gespaltene Felsen und ein paar Wasservögel. Nichts grundlegend Neues, aber der Unterhaltungswille soll gewürdigt werden. Eine knappe Stunde Fahrt später kickte er die zwei Engländerinnen, einen Amerikaner und mich an der Bark Bay aus dem Boot und brauste davon. Obwohl klar war, wo der Wanderweg losgeht, kam ich mir ein wenig wie ein Schiffbrüchiger oder wie einer der Leute aus "Lost" vor, die an einer einsamen Insel gestrandet sind. Außer einem verlassenen DOC Campingplatz gab es sonst weit und breit kein Zeichen von Zivilisation.


Nach einer kurzen Unterhaltung machten sich die Engländerinnen und der Amerikaner unabhängig von einander auf den Weg, ich ließ mir ein wenig Zeit, da ich erst das spätere Wassertaxi zurück nehmen wollte. Von der freundlichen Dame am Campingplatz hatte ich mir sagen lassen, dass es in der Nähe der Bark Bay in der anderen Richtung einen netten Aussichtspunkt geben solle, dessen Zugang ich allerdings fast eine Stunde lang vergeblich suchte. Um das "auf einer Insel vergessen" Gefühl los zu werden, machte ich mich auf, einen Teil des Abel Tasman Tracks abzulaufen, der als einer der schönsten Wanderwege der Welt gehandelt wird.



Nebenbei: Abel Tasman mag zwar als erster Europäer diesen Landstrich entdeckt haben, hat allerdings interessanterweise nie einen Fuß an Land gesetzt. Bei dem ersten Zusammentreffen seiner Kundschafter mit den hier lebenden Maori wurden vier seiner Leute aus unbekannten Gründen umgebracht. Tasman überlegte sich das mit dem Landgang dann spontan doch anders, benannte die Bucht in "Murderers Bay" und machte sich aus dem Staub.
Die Rückzugsoption mit dem Schiff hatte ich gerade verspielt, also blieb mir nur der Landweg in Form des Abel Tasman Tracks zur Torrent Bay.


Wer vorher noch nie in Neuseeland gewandert ist, für den ist der Abel Tasman Track sicherlich etwas extrem außergewöhnliches. Ich war allerdings etwas ernüchtert, woran ich aber wahrscheinlich auf Grund meiner überhöhten Erwartungen selbst Schuld war. Trotzdem ist dieser Landstrich etwas ganz besonderes. Er verbindet das typische grüne neuseeländische Buschland mit immer wieder auftauchenden Aussichten auf paradisische Strände, die unberührt scheinen. Zu einem etwas unzugänglichen Strand stieg ich hinunter und wurde für den etwas beschwerlichen Abstieg belohnt: Mir eröffnete sich eine vollkommen unberührte Sandfläche mit goldgelbem grobkörnigen Sand. Ich hinterließ die ersten Fußspuren auf der goldenen Ebene, setzte mich in den Sand ans Ufer und genoss die absolut menschenleere Stimmung und Ruhe.





Mit dieser Ruhe war allerdings Schluss als mir etwas später an einer Hängebrücke eine Gruppe stereotypischer Amerikaner entgegen kam. Das unverkennbare Familienoberhaupt war mit Cowboyhut und einem in allen Dimensionen fetten USA-Shirt verziert und stellte die Landschaft andauernd in Relation zu Kansas, das ja soviel besser sei. Dann fing die Gruppe an, laut in den Wald hinein zu rufen. Erstaunlicherweise antwortete der Wald mit einem ausgeprägten Südstaatenakzent... so verständigen sich amerikanische Touristengruppen also im neuseeländischen Dschungel. Mir drängte sich sofort der Vergleich mit sich auf der Nahrungssuche befindlichen Affenhorden auf, von denen ein Rudel die größte Bananenplantage des Planeten gefunden hat. Da wäre das Geschrei ähnlich groß. Ich verwarf diesen Vergleich auf Grund seiner mangelnden politischen Korrektheit, hatte diesen Absatz aber leider gedanklich schon formuliert... nichts zu machen.



Ein paar Stunden später und zahlreiche fantastische Aussichten später kam ich am Strand der Torrent Bay an. Ich setzte mich zu einer Niederländerin in den Sand, die ich schon einmal auf dem Weg getroffen hatte. Es stellte sich heraus, dass sie Ärztin war, und ich bereute sofort, meine leichten Knieschmerzen erwähnt zu haben. Vier Diagnosen später machte sie sich weiter auf den Weg und ich machte noch ein paar Fotos am Strand bevor das Taxi mich wieder abholte.




Auch wenn die Wanderung mir keine sonderlich neuartigen Eindrücke brachte - was ich unberechtigterweise wohl erwartet hatte - so verdient der Abel Tasman Track zu Recht den Ruf, ein ausgesprochen schöner Wanderweg zu sein, da er alle bekannten landschaftlichen Besonderheiten Neuseelands in unglaublich fotogener Form an einander reiht. Ein absolut fantastischer Tag.

Dienstag, 5. Mai 2009

Kofferraum-Skyline

Von Auckland über Taupo nach Wellington

Nach einer guten Woche Erholung vom Schreibstress und ein paar kleineren Vorbereitungen war es dann endlich soweit. Ich packte alle lebenswichtig erscheinenden Utensilien ins Auto und fuhr los.
Die erste Tagesetappe nach Taupo war etwas öde, was nicht nur am Wetter lag. Immer noch etwas angeschlagen und unfähig, mit der vielen Freizeit klarzukommen tuckerte ich so vor mich hin und genoss eine erholsame wenn auch etwas kalte erste Nacht im Kofferraum unseres Supernissans, der so viel bequemer ist, wenn genug Platz ist, um sich quer hinzulegen.
So richtig in Urlaubsstimmung kam ich erst am nächsten Morgen, als ich eine sehr interessante Unterhaltung mit einer Engländerin weiterführen konnte, die würzigerweise mit ihrem besten Freund eine Weltreise unternimmt, während ihr Partner und die Freundin ihres besten Freundes immer noch im kalten England sitzen. Pikante Konstellation, aber jedem das seine. ;)

(Click pic for big!)

Mittags verließ ich das leider immer noch etwas regnerische Taupo und fuhr den Highway 1 immer Richtung Süden. Schnell kam ich am Tongariro Nationalpark vorbei, wo Laila und ich im Dezember letztes Jahr das Tongariro Crossing gemacht haben. Dank sehr wechselhaftem Wetter war von den Bergen leider kaum etwas zu sehen, aber die Landschaft ist hier so weitläufig und andersartig als der Rest der Nordinsel, dass ich für die wenigen Dutzend Kilometer fast zwei Stunden brauchte, weil ich alle paar Minuten einfach links ranfahren musste, um noch ein paar Fotos mehr zu machen. Einige vorbeifahrende Reisende werden sich wohl besorgte Gedanken gemacht haben, was dieser Verrückte da mitten auf der Straße macht. Fotos, das machte er... und zwar haufenweise.






(Click pic for big!)


Bei Foxton war ein kurzer Zwischenstopp und Ohnmachtshappen eingeplant, doch der pompöse Sonnenuntergang animierte mich dazu, einem plötzlichen Email Schreibanfall nachzugeben.



Im Dunkeln kam ich also in Wellington an, fuhr die beeindruckende Straße direkt am Wasser ab auf der Suche nach einem unauffälligen Schlaf-/Parkplatz und nutzte die Gelegenheit für ein paar Nacht-Shots der Hauptstadt. Leider flog mir der eine oder andere Jet durch die Langzeitaufnahmen, was einen ziemlich Interessanten Effekt ergab.

(Click pic for big!)



Bei dem Versuch, auf die andere Seite des Flughafens zu kommen, verfranste ich mich natürlich in dem Straßengewirr und landete in irgendeinem reichen Vorort, in dem die Villen direkt am Wasser stehen. Einen Tunnel durch einen der vielen Hügel später war ich an der zweiten Küstenseite Wellingtons angekommen, stellte meinen Wecker auf ganz früh und genoss die alternative Skyline aus meinem Kofferraum heraus.

Sonntag, 14. Dezember 2008

Zivilisations-Schock

Marokopa

Marokopa ist so ziemlich das verschlafenste Dörfchen, das man sich nur vorstellen kann. Angeblich sollen dort offiziell irgendwo 700 Einwohner rumlaufen, von denen ich unter der Woche vielleicht ein Dutzend gesehen habe und davon die meisten wahrscheinlich doppelt. Sollten sich von diesen wenigen Leute doch tatsächlich mal zwei auf der einzigen Straße des Örtchens treffen, kann man deren Gespräch auf jeden Fall mitverfolgen... egal, wo man sich befindet, denn Marokopa hat gerade mal den Durchmesser von eineinhalb Rufweiten.
Zum Ausspannen war es zumindest genau das richtige. Denn hier kann man eh nicht mehr unternehmen als den ganzen Tag am Strand (schwarzer Sand!) rumlaufen, sich die Meeresluft um die Ohren pusten lassen, bloggen und vielleicht die eine oder andere Partie Billard spielen. Ach ja, dann gibt es natürlich noch den MTC, den Marokopa Tennis Club, der gleich neben dem Campingplatz zwei Tennisplätze besitzt, von denen einer sogar mit einem hängemattenartigem Netz ausgestattet ist und für Gäste frei benutzbar ist.
Anfang der Woche machten noch ein paar Regenwolken die Gegend unsicher...



... aber dann wurde das Wetter von Tag zu Tag besser und ich wurde abends geradezu mit kitschigen Sonnenuntergängen bombardiert.


Nachdem ich einige Tag lang selten mehr als eine Handvoll Menschen am Tag zu Gesicht bekam, gab es ab Freitag nachmittag einen regelrechten Zivilisations-Schock. Auf einmal rollten die Jeeps gleich dutzendweise an. Alles Leute aus den umliegenden Städten und Dörfern, die für das Wochenende zum Fischen ihr Ferienhaus bezogen. Die Unterkunft neben mir bezog eine Familie mit abgerundet acht Kindern und zwei Hunden. Angereist waren sie mit zwei Jeeps, aber um Sprit zu sparen wurden alle Kinder samt Hunden einfach auf der Ladefläche gestapelt, wenn es an den Strand ging. Nicht, dass man die 400 Meter auch laufen hätte können, aber wer trägt sein Angel-Equipment schon gern so weit...
Spätestens dann war es auch vorbei mit der sorglosen Ruhe am Strand, denn - ich weiß auch nicht warum - Kinder tendieren dazu, wie die Wahnsinnigen herumzurennen, sobald man sie auf einer großflächigen Sandebene vom Pickup kippt. Die Kinder rannten also herum, die Erwachsenen warfen ihre Ruten und Netze aus und versuchten, das Abendessen aus dem Meer zu ziehen (Whitebait!). Lies man sich am Strand ohne Jeep oder gar Angel blicken, war man schon eindeutigerweise als Tourist zu erkennen, der von weiter her kommt.
Diese ganze Betriebsamkeit am Strand verlieh der ganzen Szene aber eine gewisse Urlaubsstimmung, die nach Tagen der Einsamkeit am Strand eine ganz nette Abwechslung bildete.



Das schwarze Zeugs um das grüne Zeugs herum sind übrigens Tausende von kleinen Muscheln, die sich bei Flut an den Stein heften und bei Niedrigwasser wie ein nasser Teppich am Felsen kleben.

Samstag, 23. August 2008

Anfängerwellen

Nach fast zwei Monaten ohne sportliche Betätigung war der Punkt erreicht, an dem sich was ändern musste. Ja klar, man könnte hier jeden Morgen eine Runde um die Häuser joggen, aber wie langweilig ist das denn bitte? ;)
Mittlerweile habe ich auch eine Volleyball Gruppe ausgemacht, die sich wöchentlich trifft. Diese besteht zwar hauptsächlich aus sehr von sich selbst überzeugten Russen (vielleicht hat die Invasion doch mal stattgefunden), ist aber besser als nix.
Glücklicherweise gibt es an der Uni aber Supersonderangebote für Studis, um ihnen den Einstieg in die Wassersportwelt Neuseelands zu erleichtern. Auch wenn ich eher einen motorisierten Untersatz vorgezogen hätte, war letzten Samstag dann erstmal das Malibu Board dran. Surfen stand also auf dem Programm. Ungewohnt früh verließ ich das Haus und nahm den Bus zur Uni, Treffpunkt Recreation Center.
Einige Minuten später kam auch schon ein klappriger Bus um die Ecke gebogen, mit einem knappen Dutzend Brettern auf dem Dach und einem echten Surfertyp am Steuer. Wie man sich das eben so vorstellt.

Nachdem alle Leute in den Bus geladen waren, gab es eine kurze Vorstellungsrunde (sechs Deutsche und zwei Inder, naja, was hat man auch anderes erwartet) und dann gings auch schon los. Wir hatten die Auswahl zwischen West- oder Ostküste, zwischen acht Meter hohen Monsterwellen oder ein bis zwei Meter hohen Anfängerwellen. Nach kurzer Diskussion mit einem lebensmüden Wahnsinnigen wurde dann demokratisch für die Anfängerwellen gestimmt. Ziel war Pakiri Beach, da ware ich sogar schon einmal, konnte mir die Strandbesichtigung aber Abschminken dank Regen. Hätte nicht gedacht, dass ich so schnell wiederkommen würde.
Zwei Stunden Fahrt später wurden die Boards vom Dach geholt und die Wetsuits verteilt, denn hier ist wie gesagt immer noch Winter. Nebenbei: Als ich meinem Flatmate Ian erzählten, dass ich im August Surfen gehe, war sein Kommentar nur ein knappes: "Crazy Germans!"
Als ich dann in meinem Wetsuit am windigen Strand stand und dank des windanfälligen Boards halb weggepustet wurde, erhellte sich mir der tiefere Sinn seiner Bemerkung. Egal, solche Bedingungen sind doch optimal, um herauszufinden, ob das Wellenreiten überhaupt was für einen ist und ob man im Sommer noch mehr Zeit dafür investieren sollte.
Zu Anfang wurden ein paar Trockenpaddelübungen auf dem Sand absolviert und Instruktionen verteilt, wie man nicht gleich bei der ersten Welle mit dem Kopf voran in den Meeresboden gerammt wird. Halbherzig hörte ich zu und war schon mit den Gedanken im Wasser, welches sich dank Wetsuit dann als gar nicht mal so kalt herausstellte, als der Körper schlussendlich den Gedanken folge. Nach zwei Monaten ohne Sport war mein erster Eindruck, dass Surfen wesentlich anstrengender ist als es aussieht. Und mit wesentlich meine ich, dass ich nach 20 Minuten im Wasser platt war. Anscheinend ging das aber nicht nur mir so, also gab es recht bald eine kleine Mittagspause mit selbstgemachtem Stew . Beim Essen gab es vom Surf Instructor noch ein paar Tipps, Tricks und Stories.
Die zweite Session am Nachmittag war dann auch nicht mehr so kräfteraubend, wenn man erstmal raus hatte, die Kraft des Wassers für sich zu nutzen und sich nicht dauernd vom Wind rumschubsen zu lassen. Das hört sich jetzt ein wenig so an, als hätte ich den Dreh ratzfatz raus, aber nach einem Tag sah das eigentliche "Surferlebnis" so aus: Irgendwie ein paar Dutzend Meter ins Meer hinauspaddeln, irgendwie vermeiden, das Board von einer Welle ins Gesicht geschmettert zu bekommen, irgendwie in Position vor eine gute Welle kommen, irgendwie auf die Geschwindigkeit der Welle paddeln, irgendwie ganz langsam aufstehen und das Gleichgewicht halten, umfallen, irgendwie vermeiden, sich das Board an den Kopf zu ballern. In der Retroperspektive sind das viele Variablen, die für ein paar Sekunden erfolgreiches "Surfen" stimmen müssen, aber ab und zu hat es wirklich geklappt... irgendwie.

Als ich einen relevanten Anteil meiner Zehen nicht mehr spüren konnte, war es Zeit, wieder aus dem Wasser zu kommen. Wir schälten mich aus den Wetsuits, packten die Boards ein und saßen noch ein wenig am Strand rum. Ein lustiger kleiner Hund leistete uns Gesellschaft, von dem keiner wusste, zu wem der eigentlich gehörte. Ich hörte mir noch ein paar weitere Horrorstories vom Surf Instructor an, die einen den Glauben an die natürliche Selektion verlieren ließen (ich musste spontan an die Darwin Awards denken, weiß auch nicht warum *gg*) und dann ging es auch schon nach Hause. Plan für den nächsten Tag: Muskelkater! Und zwar überall!

Sonntag, 17. August 2008

Das verschwundene Piano

Spätestens seit den Herr der Ringe Filmen ist nicht ganz unbekannt, dass Neuseeland öfter mal als Drehort für cinematische Bemühungen herhalten muss. Auch wenn die Landschaften bei HdR nachträglich am Computer so stark verändert wurden, dass man angeblich eh nichts wiedererkennt. Mal sehen, ob ich das noch nachprüfen kann, denn bisher hatte ich noch nicht die Gelegenheit, einen der Drehorte zu sehen. Etwa zwei Stunden von Auckland entfernt kann man wohl noch die Hobbitbehausungen besichtigen, die als einzige Gebäude des Filmsets stehengelassen wurden, um die Farmer, die das Land besitzen, auf ganz ungewöhnliche Weise reich zu machen. Vielleicht müssen die Alexander Brüder ihre 13.000 Schafe jetzt nicht mehr alle selbst scheren, wer weiß.
Ich schweife ab, denn etwas weniger bekannt ist, dass z.B. Teile von "Last Samurai" (Ihr wisst schon, dieser epochale Schinken mit dem früheren Mr. Mission Impossible) auch in Neuseeland entstanden sind. Ursprünglich deswegen, weil der Vulkan Taranaki wohl so ähnlich aussieht wie der Fujiyama und im Film für ganze drei Sekunden als Ersatz im Hintergrund herhalten muss.
Nur ein paar hundert Kilometer weiter stehen übrigens schon die Vulkane Mount Ngauruhoe und Mount Ruapehu, die beide für den Schicksalsberg (oder Mt. Doom i.O.) Modell standen. Egal, die schaue ich mir ein ander mal an.
"King Kong" entstand in Teilen ebenfalls in Neuseeland, genauso wie die überaus grandiosen Fernsehserien "Xena" und "Hercules".
Wer eher auf Filme steht, die auch inhaltlich was mit Neuseeland zu tun haben, der kann sich an "Whale Rider" herantrauen oder sich - und damit hätten wir den Bogen zum heutigen eigentlichen Thema fast geschafft - "Das Piano" reinziehen. Der Film um besagtes Tasteninstrument wurde nämlich u.a. an einem Strand gedreht, der hier ganz in der Nähe ist. Eine halbe Stunde mit dem Auto raus aus Auckland und schon ist man am Karekare Beach, welcher praktisch direkt neben Piha Beach liegt. Diesmal hatte ich auch nur anfangs ein paar fiese Wolken, der restliche Tag war wunderbar sonnig. Zwar nicht ganz optimal, um das orginal Filmplakat von "Das Piano" nachzustellen, aber ich hab trotzdem mal einen Versuch gewagt.

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Den Vordergrund hab ich mal ganz bewusst weggelassen, denn erstens hatte ich kein Model mit den richtigen Klamotten dabei, zweitens würde es eine solche Verrenkung im weißen Kleid wohl kaum überleben und drittens... naja, wer hat schon immer ein ausgewachsenes Piano im Kofferraum. ;)



Dienstag, 12. August 2008

Metallpilze

Etwas nördlich von Auckland liegt der Vorort Devonport, der sich laut Reiseführer prima für einen Tagesausflug eignet. Eigentlich gut per Fähre zu erreichen, aber ich wollte unabhängig sein von den Abfahrtszeiten, also nahm ich den kleinen Umweg über die riesige Harbour Bridge und den vor Devonport gelegenen Ort Takapuna in Kauf. Nach einem weiteren Umweg auf meinem Umweg (die Highway Ausfahrten sind hier irgendwie nicht immer mit ihrem Ziel beschildert) parkte ich meine Karre in Devonport an der Hauptstraße. Dann ging es per pedes weiter.
In Devonport gibt es zwei Vulkankegel, die beide auf dem Programm standen. Auf beiden Anhöhen findet man heute noch Bunkersysteme und Geschützstellungen sowie Kanonen, die alle Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurden, um einer eventuellen russischen Invasion Parolie bieten zu können. Die Russen hatten derzeit andere Probleme, was die Neuseeländer aber nicht davon abhielt, die Wehranlagen im Laufe des ersten und zweiten Weltkriegs auszubauen.
Als erstes stieg ich auf den Mt. Victoria, auf dem immer noch eine beachtliche Kanone installiert ist.


Wie sinnfrei diese ganze Aufrüstaktion war, kann man sehr gut einer Infotafel über den Aufbau dieser Wehranlagen entnehmen, die dort angebracht ist. Im Grunde läuft es auf Folgendes hinaus: Irgendein taktischer Fiffikus des verflossenen Jahrhunderts setzte sich in den Kopf, dass es doch total praktisch wäre, ein in den Boden versenkbares Großkalibergeschütz auf dem Mt. Victoria anzubringen. Also wurde zuerst die zu verwendende Kanone angefertigt. Da so ein Ding nun mal einiges wiegt, stellte sich dem ganzen nun das Transportproblem in den Weg, da es zu der Zeit noch keine bequem geteerte Straße gab, die den ganzen Weg hinauf zum Vulkanhügel führte. Also wurde kurzerhand ein Schienenstrang verlegt, über den die Kanone den Berg hinaufgezogen wurde. Oben angekommen wurde sie in einer geschaffenen Senke in ein Hydrauliksystem montiert, mit dem sie im Bedarfsfall aus der Senke herausgehoben werden konnte und außerhalb eines Gefechtes - eingefahren - kaum sichtbar war. Dieser Vorteil der "versteckbaren" Kanone hatte allerdings den Nebeneffekt, dass der Ladevorgang theoretisch diverse Minuten dauerte, da die Kanone nach jedem Schuss wieder eingefahren werden musste, um nachgeladen zu werden. Theoretisch deswegen, weil die Kanone - nach dem ganzen Aufwand, der deswegen über die Jahre hinweg getätigt worden war - nur ein einziges mal abgefeuert wurde. Dieser Testschuss ließ Mt. Victoria dermaßen erzittern, dass etwas weiter unten diverse Glasscheiben zu Bruch gingen, was heftigen Protest der Bevölkerung zur Folge hatte, voraufhin beschlossen wurde, die Kanone nicht erneut abzufeuern und die Munition zu entfernen. Bergab lassen sich Kugeln ja auch einfacher transportieren... naja.
Ganz unabhängig von der im Nachhinein nutzlosen Aufrüstung (die Russen hätten ja auch kommen können) hatte man einen grandiosen Ausblick in alle Richtungen.

Ruhig mal auf die Vorschau draufklicken, es ist eine etwas größere Version hinterlegt. ;)

Das hier (s.o.) ist der Blick Richtung Osten. Technisch gesehen sind das ca. 180°, aber Osten ist in der Mitte, wo man am Horizont die etwa sieben Kilometer entfernte Vulkaninsel Rangitoto Island sieht, die erst 600 Jahre alt ist. Auf dieser Insel waren früher Übungsziele für die Geschütze am North Head installiert. North Head ist übrigens die oben erwähnte zweite Anhöhe und ist im rechten Drittel des Panoramas zu erkennen.
In Richtung Süden gab es dann noch einen tollen Ausblick auf Auckland.


Die Rasenfläche über den Bunkern auf Mt. Victoria war übrigens über und über mit solchen Metallpilzen bedeckt, deren philosophische Bedeutung mit Sicherheit genügend Stoff für eine Abschlussarbeit geboten hätte, in erster Linie stellen die Dinger aber - neben der Aussicht - einen echten Touri-Magneten dar. Da ich etwas länger auf dem Hügel war als der durchschnittliche Tourist, konnte ich das sich wiederholende Verhalten mehrmals beobachten: Tourigruppe kommt per Auto an... wow, was für ein Ausblick... hey, guck mal, da sind Pilze!... ob man sich da draufstellen kann?... Und schon artete das ganze in einen immer wiederkehrenden Contest aus, der da lautet: Wie viele Chinesen bekommt man gleichzeitig auf einen Fliegenpilz?

Nach dem Abstieg ging es durch eine niedliche Wohngegend mehr oder weniger direkt an den Cheltenham Beach. Dort wurde ich zwar einmal wieder von einem kurzen Schauer erwischt, der nach seinem Abzug aber für ein paar Sekunden einen doppelten Regenbogen hinterließ.





Cheltenham Beach führt zu der Landzunge, auf der North Head gelegen ist. Der Sand geht dort in schwarzes Lavagestein über, auf dem sich direkt am Wasser tausende von kleinen Muscheln so festgesetzt haben, dass sie z.T. schon in den Stein übergehen. Wie sowas zustande kommt, müsst Ihr einen Geologen/Biologen(?) fragen, faszinierend anzusehen war es allemal.



Kurz nach Sonnenuntergang...

...wurde dann noch North Head umrundet, wo die nächsten verlassenen Geschütze gefunden wurden.

Mit einem letzten Blick auf das abendliche Auckland trat ich den Rückweg über die Uferpromenade von Devonport an.